In einem der vorhergehenden Blogs zum Wandel der Zeit beschrieb ich den Wunsch der Menschen nach Orientierung in der VUKA Welt (VUKA = volatil, ungewiss, komplex, ambiguous). Dazu schrieb ich, dass den Kompass dazu Werte bilden, ethische Werte. Heute ist z.B. die Bekämpfung von Korruption ein Mittel für ein intaktes gesellschaftliches Miteinander. Das ist aber zu wenig.

 

Was ist die Alternative zum kapitalistischen System heute?

Gemeinwohlökonomie

Es ist offensichtlich, dass der Bewusstseinszustand der Menschen heute einen solchen Status erreicht hat, dass das Denken in alten Ego-Kategorien künftig weitestgehend überholt sein wird.

Was nicht bedeutet, dass das Denken in den alten Kategorien in manchen Köpfen nicht doch erhalten bleibt, sie sich aber gegenüber der Vergangenheit in einer Minderheit befinden werden. Menschen heute fühlen entsprechend den Gesetzen des Wassermannzeitalters die Ganzheit, das Einssein mit dem universellen Sein. Dieses Bewusstsein stellt u.a. das Leben von Werten, wie Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitbestimmung in den Fokus des Zusammenlebens – was gleichzeitig die Werte der Gemeinwohlökonomie sind.

Dieses Bewusstsein wird von der Liebe gespeist, im Gegensatz zum Denken in alten Kategorien, die von der Angst geprägt wird.

Heute, im Jahr 2018, reiben sich diese verschiedenen Denkweisen. Sie treiben in der Kategorie der Angst Blüten, wie das Erstarken von Autokratien, mit populistischen Führern, die für die von Angst besetzten Menschen wie Erlöser wirken, dass diese allzu gerne bereit sind, sich diesen Führern blind anzuschließen.

Andererseits gibt es die schweigende Mehrheit, die zuversichtlich und lösungsorientiert bereit ist, Verantwortung für sich und die Zukunft nächster Generationen zu übernehmen.

Das Denken in alten Kategorien hat allerdings seine Spuren hinterlassen, mit deren Folgen wir absehbar alle leben müssen, woraus allerdings die Transformation in das neue Zeitalter, und zwar das der Gemeinwohlökonomie, erfolgen wird.

Folgendes denkbare Szenario:

Schwerste Hypothek des Denkens in alten Kategorien ist das Ansammeln von Monsterschulden, deren Einlösung zum Kollabieren des Weltwirtschaftssystems führen wird. Der Präsident der USA liefert mit der von ihm durchgesetzten Steuerreform den stärksten Treibsatz für das Kollabieren des Systems. Mit seiner Politik des „America first“ und der Erhebung von Zöllen, seiner Verleugnung des Klimawandels, seiner einseitigen Politik des Wiedereinsetzens des Embargos gegenüber dem Iran sowie der gegenüber Migranten ausgrenzenden Politik, produziert er die Angst befeuernde Dekrete und Gesetze, die wie das Löschen eines Feuers mit Benzin wirken.

Die Folge davon wird u.a. sein, dass China, als Hauptgläubiger der USA, direkt und indirekt dazu beitragen wird, das bestehende System zu Fall zu bringen. Das wird u.a. dadurch geschehen, dass die Platzierung von größeren Kontingenten von amerikanischen Staatsschuldverschreibungen auf dem Kapitalmarkt deren Preisverfall beschleunigen wird, was die dahinter stehenden Werte vernichten und somit zum Kollaps, konkret zum Staatsbankrott der USA, führen wird.

Der damit entstehende Dominoeffekt wird die Volkswirtschaften der sogenannten zivilisierten Länder und der Schwellenländer mitreißen, mit der Folge von einer Vielzahl weiterer Staatspleiten.

Retter wird China sein. Absehbar ist, dass als Leitwährung der Welt der chinesische Renminbi den Dollar ablösen wird.

In dieser Phase des Übergangs werden Autokraten das politische Weltgeschehen bestimmen, an der Spitze China.

China wird damit das Legat der kommunistischen Mission erfüllen, dass nämlich die Internationale das Menschenrecht erkämpfen wird. Es werden allerdings die Menschenrechte á la China sein, die so gar nichts mit den unveräußerlichen auf Integrität und Selbstbestimmung abzielenden Menschenrechten zu tun haben werden. Diese Phase von autokratischen Statthaltern in der globalen Hegemonie Chinas wird zu weltweiten Umstürzen und Revolutionen führen, an deren Ende die Errungenschaft der Gemeinwohlökonomie stehen wird.

Was zunächst wie der Zerfall von errungenem Gemeinschaftsgeist aussieht, wie der Zerfall der EU, wird sich rasch ins Gegenteil verändern. Die Welt wird in einem bis dahin nicht gekannten Maße zusammenwachsen, aber nicht mehr im Geiste einseitiger Handelsbestimmungen zulasten der Kleineren und Schwächeren sondern in Augenhöhe. Was bis dahin an Wohlstand über quantitatives Wachstum versucht wurde zu erreichen, wechselt über in ein Bewusstsein qualitativen Wachstums. Begriffe wie Achtsamkeit, Glück und Verbundenheit werden die alten Begriffe des „Höher, Schneller, Weiter“ rasch vergessen machen.

An der Spitze der Erneuerung wird Deutschland stehen. Aufgrund des historischen Bewusstseins wird von Deutschland die Blaupause eines Zusammenlebens unter ethischen, solidarischen, menschlichen und ökologischen Aspekten ausgehen.

Sie sind eingeladen, sich über die Gemeinwohlökonomie zu informieren, klicken Sie einfach auf www.ecogood.org.

Herzlichst
Ihr Klaus Otto

24. Januar 2017, Klaus Otto

Achtsamkeit in Betrieben und Verwaltungen

„Achtsamkeit“ ist in aller Munde. Es ist wie eine Mode, den Begriff zu verwenden und damit zu verbinden, körperlich und seelisch gesund zu bleiben.

Viele meinen, dass Achtsamkeit so etwas ist wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Achtsamkeit“ ist allerdings mehr als nur ein „Werkzeug“, das wir anwenden und dann glauben, dass es uns besser ginge. Während alle Entspannungstechniken für sich einen Sinn machen, um z.B. besser mit Stress umzugehen, Leistungstiefs zu überwinden oder einfach mal zur Ruhe zu kommen, ist „Achtsamkeit“ viel komplexer.

„Achtsamkeit“ hat das Zeug, unsere Arbeitswelt zu revolutionieren.

Unser Wirtschaftssystem ist ausgelegt auf ein „Höher, Schneller, Weiter“. Wettbewerbsfähigkeit, Gewinnmaximierung, stetiges Wachstum sind Vokabeln, deren umfassenden Bedeutungen unser tägliches Leben existenziell beeinflussen. Wir funktionieren nach festgelegten Abläufen, tun unsere Arbeit in Betrieben und Verwaltungen, die mal mehr, mal weniger ein humanisiertes Arbeitsumfeld anbieten. Wir erleben Führungskräfte, die, wie prominente Wissenschaftler der BWL meinen, schon mal „Schweine“ sein müssen, schließlich gilt es, seiner Verantwortung für den Erhalt des gesamten Unternehmens gerecht zu werden. Da mag es schon vorkommen, dass Entscheidungen zu treffen oder Handlungen vorzunehmen sind, die nach ethischen und juristischen Kriterien grenzwertig sind. Aber das alles geschieht ja nur im Dienste des Unternehmens, zu dessen weiterer positiven Entwicklung, zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, zur Sicherung von Arbeitsplätzen, als Gewerbesteuerzahler für die Prosperität der jeweiligen Kommune usw. Im Grunde gilt die Devise „Der Zweck heiligt die Mittel“, man sollte nur nicht so dämlich sein, sich erwischen zu lassen. Und wenn man erwischt wird, immer nur das zugeben, was gerade bewiesen wurde. Wir erleben gerade landauf, landab so viele konkrete Beispiele, wo die Wahrheit, in Dienste der Sache, einfach auf den Kopf gestellt wird.

Viele Menschen in Unternehmen (wenn nicht gar in der Gesellschaft insgesamt) haben es satt, immer wieder was vorgemacht zu bekommen, was sich nachher als „Fake“ herausstellt. Was Menschen brauchen, ist Sicherheit, das Gefühl von Geborgenheit, Vertrauen. Die erhalten sie, wenn diejenigen, die an den Führungshebeln der Macht sind, dazu zählen die Führungskräfte  in Betrieben und Verwaltungen, ehrlich, vertrauenswürdig und authentisch sind. Diese sogenannten Eliten prägen das Leitbild der Gesellschaft. Wenn diese nicht „Leuchttürme“ sind, gehen bei den Menschen, die sie glauben, lenken und beherrschen zu können, die Lichter aus.

Und hier kommt nun die „Achtsamkeit“ ins Spiel. Während unser Denken, Fühlen und Handeln zur Aufrechterhaltung des vorher beschriebenen Wirtschaftssystems vom Verstand her geleitet wird, führt uns die „Achtsamkeit“ auf die Ebene unserer Seele. Auch wenn die Idee der Achtsamkeit schon viele tausend Jahre alt ist und vor allem im asiatischen Raum, ganz besonders in Indien und Tibet praktiziert wird, kollidiert sie in unserem Kulturraum mit dem Paradigma der Vernunft, die sich von unserer Ratio ableitet.

Der diametrale Unterschied zwischen „rationalem Denken und Handeln“, was unser Wirtschaftsleben prägt, und der „Achtsamkeit“ liegt darin: Ratio sucht die Antworten außen, die Achtsamkeit innen.

Wenn wir das einmal in Stille auf uns wirken lassen, wird uns die Dimension dieses Unterschiedes bewusst.

Das „Außen“ kennt keine wahren Gefühle, nur Sache, Zweck, Nutzen, Preis, Kosten, Vorteile, Gewinn. Wir funktionieren, um die Existenz zu sichern und powern uns aus, weil uns vielfach der Sinn fehlt, wozu wir das alles tun. Der gesellschaftlich vorgegebene quantitative Ansatz zur Erreichung von Lebensqualität zwingt auch uns mitzuhalten, im Bestreben des „Höher, Schneller, Weiter“. Das „Außen“ wird geprägt vom „Haben“ und versucht über „Konsum“ ein Gefühl der Befriedigung zu erzeugen. Da diese Befriedigung nicht zur Erfüllung führt, entsteht die Dynamik des permanenten Mehrkonsums. Die Ergebnisse und ihre Folgen sind heutzutage in Umwelt, Klima, Staatsschulden, weltweiten Brandherden ablesbar. Individuell gesehen, geraten darüber immer mehr Menschen ins „Burn out“, weil sie einfach nicht mehr mithalten können und wollen.

Das „Innen“ bringt uns wieder ins Gefühl. Wir verbinden uns in der Stille wieder mit uns. Wir nehmen uns mit einem mal wieder ganz wahr, wir werden uns unseres „Selbst“bewusst. „Achtsamkeit“ bedeutet „gewahr sein“, „bewusst sein“ für alles, was wir denken, fühlen und tun. Achtsamkeit ist wie ein Ankommen im Sein des Lebens. So mit uns selbst verbunden, kommen wir unseren „wahren“ Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten auf die Spur. Und die, so wird uns sehr schnell klar, liegen ganz woanders als im „Höher, Schneller, Weiter“. Nicht die Sachen stehen im Vordergrund sondern Beziehungen. Als erstes die für uns Menschen wichtigste Beziehung, die zu uns selbst. Achtsamkeit, Selbstliebe und Mitgefühl bringen uns wieder zu uns selbst und wir öffnen damit  den Raum für alles, was uns umgibt. Während die Orientierung auf das „Außen“ auch die Verantwortung dorthin verlagert, fühlen wir bei der Orientierung auf das  „Innen“ Selbstverantwortung und zwar nicht partiell sondern für unser Leben ganz und gar.

Die Umkehr der Sicht vom außen auf innen bleibt nicht ohne Folgen für Betriebe und Verwaltungen. Die jährlich erhobene Gallup Umfrage weist Jahr für Jahr aus, dass ca. 15 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen motiviert sind und bestrebt sind „Ihr“ Unternehmen nach vorne zu bringen, ca. 70 % leisten Dienst nach Vorschrift und ca. 15 % haben innerlich gekündigt.

Was würde eine Umkehr vom Paradigma der Ratio zur Achtsamkeit bedeuten?

Unternehmen kreieren nicht nur Visionen, Leitlinien, Grundsätze, die im Einklang sind mit den Gesetzen der Natur, die moralisch integer sind und Ausdruck geben von einer Verantwortung für das Ganze, nein, sie leben die auch!

Damit allein würde sich das gesellschaftliche Erscheinungsbild ändern. Kein Fake-News, keine Korruption, keine Aggression und Gewalt, keine Willkür, kein Nährboden mehr für Mobbing und seelischen/körperlichen Missbrauch, statt dessen eine Kultur des Vertrauens, des Teamgeistes, des Wir-Gefühls.

Führungskräfte sind Vorbilder. Sie üben in einer Haltung von Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und Selbstverantwortung ihre Arbeit aus. In den Betrieben und Verwaltungen wären die Menschen das Wichtigste und zwar per se und nicht, wie in der Kultur des „Außen“, als bloße Mittel zum Zweck.

Was sich zunächst wie  eine Utopie liest, ist gar nicht so weit weg. Wenn sich die Führungen in Betrieben und Verwaltungen nicht wandeln, laufen ihnen die Menschen weg, sie werden krank oder leisten bestenfalls Dienst nach Vorschrift. Das alles führt unweigerlich dazu, dass die Produktivität und Innovationsfähigkeit in den betroffenen Unternehmen sinkt, womit sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind und vom Markt verschwinden. Verstärker dazu liefern der demografische Wandel und der bereits eingetretene und sich verstärkende Fachkräftemangel.

Damit wird deutlich, die Zukunft gehört den Betrieben und Verwaltungen, die sich der Achtsamkeit öffnen und sie als Kultur implementieren. Als Benefit eröffnet sich für die dort in Selbstverantwortung handelnden Menschen, Gesundheit, Sinn, Innovationsfreude und Motivation, was den Bestand der Unternehmen von Grund auf sichern hilft.